Angriff der
8-Bit-Aliens

REZENSION Torsten Roeder

Aliens sind überall! Sie kleben an Hauswänden, verbergen sich in Straßenecken und beobachten uns aus bunten Pixelaugen. Lässt sich dem wilden Treiben ­Einhalt gebieten? Mit dem Smartphone können die Streetart-Invasoren ­eingefangen werden. Unser Autor hat sich auf die Jagd begeben.

Die Weltraummonster erkennt man oft schon von Weitem an ihrer pixeligen Gestalt und ihren tentakeligen Ärmchen und Antennen. Eines davon hat es sogar geschafft, sich in den Unicode-­Standard einzuschmuggeln, und ist jetzt als Emoji  auf nahezu allen digitalen Kommunikationsgeräten präsent. Im urbanen Raum jedoch treten sie oft in einen spielerischen Dialog mit ihrer Umgebung, wie etwa in Basel, wo ein riesiges Alien verstohlen zum Spielzeug Welten Museum hinüberlugt. Doch nicht alle sind auf den ersten Blick zu erkennen: Eines in Paris tarnt sich als Pablo Picasso, eines in Tokio als Hello Kitty. „Invader“ nennt sich der Streetart-Künstler, der Figuren aus dem Arcade-Spiel „Space Invaders“ von Taito aus dem Jahr 1978 als Pixelmosaike an Haus­wände bringt. Seit den 1990ern ist Invader als Gehilfe der Außerirdischen aktiv, zunächst in Frankreich, bald international.

Mittlerweile sind 4.283 Aliens dokumentiert – mindestens eines davon unter Wasser und eines sogar auf der ISS (angebracht mithilfe der italienischen Astronautin Samantha Cristoforetti). Die Zahl schwankt allerdings: Die Fliesenwerke verschwinden durch Verfall, Renovierung oder sogar Entwendung, wie es zur Kunst im öffentlichen Raum oft dazugehört. Aber Invader ­liefert stetig nach und mittlerweile gelten weltweit 87 Orte als befallen.

Seit mehr als zehn Jahren hilft die App Flashinvaders bei der Alienjagd, mit der sich Sichtungen ähnlich wie beim Geocaching loggen lassen. Ob es sich um einen echten Invader handelt, wird mittels einer Bilddatenbank und GPS-­Koordinaten sichergestellt. Für den ersten Fund in jeder Stadt gibt es einen kleinen Bonus. Invader gamifiziert damit Kunst im urbanen Raum – und verwandelt die Stadt ganz nebenbei in ein global ­verteiltes Spielfeld. 

Sie sind unter uns

Lust, selbst auf die Jagd zu gehen? Hier entang:

https://www.space-invaders.com/flashinvaders 

Mehr zum Streetart-Künstler „Invader“: 

https://www.space-invaders.com