Art <3 Computation

TEXT Maike Klein und Maximilian Lehner

Ein neuer Arbeitskreis in der GI beschäftigt sich mit Kunst und Informatik. Einige der Mitglieder präsentieren hier ihre Werke und ihre persönliche Antwort auf die Frage: Wie hängen die beiden Felder zusammen – und was kann an ihrer Schnittstelle alles passieren?

Artistic positions should be taken more seriously in interdisciplinary discourse. After all, art is not just an aesthetic accessory that makes science, including computer science, more accessible. Rather, artistic creation can critically explore the boundaries of computer science with all its topics and methods. As a result, discourses, for example on artificial intelligence, can not only go in other directions, but also create completely new possibilities, both for computer science and for the arts.

Künstlerische Positionen sollten im interdisziplinären Diskurs eine ernsthaftere Würdigung erfahren. Denn Kunst ist eben nicht nur ästhetisches Beiwerk, das die Wissenschaft, so auch die Informatik, allenfalls zugänglicher macht. Vielmehr vermag das künstlerische Schaffen, die Grenzen der Informatik mit all ihren Themen und Methoden kritisch auszuloten. Dadurch können Diskurse, beispielsweise zu Künstlicher Intelligenz, nicht nur in andere Richtungen gehen, sondern es entstehen auch völlig neue Möglichkeiten, sowohl für die Informatik, als auch für die Künste.

Maike Klein, forscht zu KI im interdisziplinären Kontext und ist Referentin und Projektleiterin bei der GI, Berlin

Art and computation are inherently human expressions and thus not responsible for actions. Is harm a failure of imagination? How can art and technology help envision better futures? In absurd and dystopian scenarios, science and technology, the role of marginalized communities, and environmental impacts can be critically examined. Art can inspire thoughtful approaches and accountability in the research, development, and application of technological advancements.

Kunst und Informatik sind grundlegend menschliche Wege, sich auszudrücken, und daher nicht verantwortlich für Taten. Ist Leid nur ein Fehler der Vorstellungskraft? Wie können Kunst und Technologie helfen, in unseren Köpfen bessere Zukünfte zu verankern? In absurden und dystopischen Szenarios lassen sich Wissenschaft und Technologie, die Rolle von marginalisierten Gruppen und Einflüsse auf die Umwelt kritisch betrachten. So kann Kunst bedachte Zugänge und mehr Verantwortungsbewusstsein in Forschung, Entwicklung und Anwendung technologischer Fortschritte mit sich bringen.

Maithu Bùi, Künstler*in, Berlin

When I reflect on the growing importance of the everyday, I notice it is evolving alongside the expansion of the digital world. Art and computation now weave through every aspect of life, transforming everyday experiences into artistic expressions and enabling digital works to be anticipated as art. It turns everyday data into an immutable, poetic reflection, reconnecting us with the radical transparency of our digital world.

Die zunehmende Digitalisierung geht einher mit einer neuen Wertschätzung des Alltäglichen. Kunst und Technologie sind untrennbar miteinander verbunden und durchdringen heute jeden Aspekt des Lebens. Digitale Medien ermöglichen es uns, das Gewöhnliche in künstlerische Form zu bringen und die Schönheit im Alltäglichen zu entdecken. Aus den Daten unseres Lebens entsteht eine unveränderliche Poesie, die uns wieder mit der radikalen Offenheit unserer digitalen Welt verbindet.

Viktoria Hilsberg, Researcher und Projektmanagerin, spezialisiert auf Kunst und Technologie, Berlin

Art and computation converge in my work through projects such as AI and the Art of Historical Reinterpretation and Imagine Feminine AI for Dignity. By combining artistic research with AI, I critique and transform the gender biases embedded in technology. My approach focuses on generating alternative, inclusive datasets and creating socially responsible AI systems. This connection enriches both fields, using computation to challenge power dynamics and art to reimagine AI as a tool for equity, diversity and post-patriarchal values. This synergy enables new ways of thinking and creating.

In meiner Arbeit kommen Kunst und Informatik in Projekten wie AI and the Art of Historical Reinterpretation und Imagine Feminine AI for Dignity zusammen. Indem ich künstlerische Forschung mit KI kombiniere, möchte ich Gender-Bias, die in Technologie verankert sind, infrage stellen und transformieren. Mein Zugang ist es, alternative und inklusive Datensätze zu generieren und so sozial verantwortungsvolle KI-Systeme zu schaffen. Diese Verbindung bereichert beide Felder: Informatik kommt zum Einsatz, um Machtdynamiken zu hinterfragen und Kunst zeigt, wie KI ein Tool für mehr Gerechtigkeit, Diversität und post-patriarchale Werke werden kann. Diese Synergie schafft neue Wege des Denkens und des Schaffens.

Claudia Larcher, Bildende Künstlerin und Filmemacherin, Wien

 

Art and computation have always been connected as ways of looking on the world, both abstractly based on the reality and not fully equal to it. Thereby both can offer alternatives of seeing and new imaginaries for the future. The history of collaborations between art and technology exemplifies how these fields should work together: from the 1950s on, we see major innovations in graphic computation software based on the exchange between engineers and artists. Today, the advancements in AI and new forms of computation used in art projects could have a similar impact if we do not merely frame them as playful extensions but valid contributions to the field. This needs a thorough understanding on both sides; not the technology side providing the tools and the art world being critical about it.

Als Wege, auf die Welt zu blicken, waren Kunst und Informatik schon immer miteinander verbunden – beide auf abstrakte Weise basierend auf der Realität und doch nicht ganz mit ihr zu vergleichen. Daher können beide alternative Sichtweisen und neue Vorstellungen für die Zukunft bieten. Die Geschichte der Kollaboration zwischen Kunst und Technologie zeigt, wie diese Felder zusammenarbeiten sollten: Schon seit den 1950ern lassen sich große Innovationen in grafischer Computersoftware beobachten, die auf dem Austausch zwischen Kunstschaffenden und Ingenieur*innen basieren. Heute könnten die Fortschritte in der KI und neue Formen der Computation einen ähnlichen Einfluss haben, sofern wir sie nicht nur als spielerische Ergänzungen, sondern als wertvolle Beiträge sehen. Dafür braucht es ein tiefgehendes Verständnis auf beiden Seiten; und nicht nur eine Zusammenarbeit, in der die technologische Seite die Tools bereitstellt und die Kunstwelt diese kritisiert.

Maximilian Lehner, Kurator und Autor, Wien

When we abandon the habit of considering humans superior to machines, the situation will appear entirely different. There's a common misunderstanding: I don’t provide AI generators with my original artwork images. Instead, I only give a few words to create a similar aesthetic of my original avatar “Aimy.” The AI, trained on vast data, offers countless versions of “Aimy.” Some of these images could easily convince viewers that they’re by TZUSOO, blurring the lines of authorship. If creativity is the reassembly or reinterpretation of existing works, comparing AI’s role to the artist's might only lead to a despairing realization for humans.

Wenn wir aufhören, davon auszugehen, dass Menschen den Maschinen überlegen sind, wird die Situation sich ganz anders zeigen. Es gibt dieses weit verbreitete Missverständnis: Ich versorge KI-Generatoren nicht mit Originalbildern meiner Arbeit. Stattdessen nutze ich nur ein paar wenige Worte, um eine ähnliche Ästhetik zu schaffen wie die meines ursprünglichen Avatars „Aimy“. Die KI, trainiert auf riesigen Datenmengen, bietet dann endlos viele Versionen von „Aimy“ an. Einige dieser Bilder würden problemlos als Werke von TZUSOO durchgehen und verwässern so die Grenzen der Autorschaft. Wenn Kreativität die Remontage oder Neuinterpretation von bestehenden Werken ist, wie lässt sich dann die Rolle der KI mit der der Kunstschaffenden vergleichen? Die Antwort könnte zu drastischen Erkenntnissen führen.

TZUSOO, Künstlerin, Berlin

 

Der Arbeitskreis art + computation ist seit Anfang Dezember offiziell Teil des Fachbereichs Informatik und Gesellschaft. Sprecher*innen sind Maximilian Lehner und Maike Klein. Sie möchten weitere Infos oder sich direkt selbst beteiligen? Dann schreiben Sie gerne an maike.klein@gi.de!