Output
Bits, Bytes,
Beginnings

„Ein Bild von 1995 oder 1996, mutmaßlich mit unserem ersten PC“, Georg Sorst, im Bild rechts.
Es begab sich Anfang der 90er, dass mein Bruder und ich beschlossen hatten, nun für das Nintendo NES zu alt zu sein, und ein richtiger Computer musste her – natürlich ein Amiga, denn damit konnte man super spielen und die Freunde hatten auch alle einen. Die Eltern wollten dagegen einen PC anschaffen, mit dem man ja auch Hausaufgaben machen kann (was Anfang der 90er einen erstaunlichen elterlichen Weitblick zeigte). Mithilfe der Oma konnten wir Kinder schnell eine demokratische Mehrheit für den Atari herstellen, aber die Eltern dachten gar nicht daran, sich dieser Entscheidung zu fügen und besorgten einen High End 386er PC mit sage und schreibe 250MB Festplatte und MS-DOS 6.
Was nun also tun mit diesem Wunderwerk der Technik? Der computeraffine Vater eines Freundes installierte Microsoft Flight Simulator (vermutlich Version 5.0, erschienen 1993), von uns nur liebevoll "Flugi" genannt, und erklärte, mit welchen Befehlen man das Programm am MS-DOS Terminal startet.
Bei nächster Gelegenheit hatte ich diese Kommandos natürlich prompt vergessen und auch sonst keine Ahnung von DOS oder geschweige denn der englischen Sprache und probierte irgendwelche Befehle am Terminal aus, in der Hoffnung, Flugi doch noch irgendwie zu starten. Mit jedem Befehl passierten neue wunderliche Dinge, die ich in keinster Weise verstand. Aber ich war völlig fasziniert von der Möglichkeit, an der Tastatur etwas einzutippen und am Bildschirm unmittelbar ein Ergebnis zu sehen. Das Interesse an Flugi war längst verflogen, aber meine Neugier an Computern unstillbar geweckt, und mit viel Trial and Error und noch mehr Zeit fing der Computer langsam an, Sinn zu machen und meinen Anweisungen zu gehorchen.
Erste Gehversuche mit Batch Scirpting und QBasic folgten und es dauerte nicht mehr lang bis zur ersten richtigen Programmiersprache Turbo Pascal, erlernt anhand eines echten Buchs inklusive händisch abgetippter Programm-Listings. Mein Berufswunsch war daraufhin vorgezeichnet, und noch heute, dreißig Jahre später, gehe ich mit Leidenschaft meiner Tätigkeit als Software-Entwickler nach, und darf auch als Dozent an einer FH meine Leidenschaft an die nächste Generation weitergeben.
Eingereicht von Georg M. Sorst

„Auch mein Outfit war hochmodern", sagt Ulla Köhler – und hat definitiv recht damit!
In alten Fotoalben habe ich ein Siemens-Pressefoto für die Hannovermesse 1979 gefunden. Ich zeige die hochmoderne Siemens-Plattenspeichereinheit 3949. Sie umfasst Laufwerke mit Wechselkassetten von jeweils 13 MB Nettospeichervolumen (Frontlader).
Eingereicht von Ulla Köhler
Im Herbst 1977 begann ich in einem Großforschungszentum eine Ausbildung zur Mathematisch-technischen Assistentin. Dieser Weg bot mir die Möglichkeit, sofort nach dem Abitur eine gewisse finanzielle und damit auch berufliche Entscheidungs-Unabhängigkeit zu erreichen, da ich ein Ausbildungsgehalt bezog. Mit den hier erworbenen Programmierkenntnissen habe ich später mein Mathematikstudium finanziert, das meine Eltern einem Mädchen nicht zutrauten. Damals war der Batchbetrieb normal. Was heißt, dass man seine Kartendecks ins Rechenzentrum trug und die DIN-A 3 Outputs dort wieder abholte. Allerdings gab es dort schon die Möglichkeit, am TSS-System die Programme am Bildschirm zu editieren und zum Puncher zu senden. Das heißt, dass ich viel Zeit im Terminalraum des Rechenzentrums verbrachte. Dieser Terminalraum war der natürliche Treffpunkt aller Wesen, die irgendwie Software entwickelten. Eines Mittags saßen nur ein Quantenphysiker, ein Sysadmin und ich im Terminalraum. Der Quantenphysiker versuchte mit Engelszungen den Sysadmin zu überreden, sich mit Quantenphysik zu beschäftigen: „Das ist das, was ihre Benutzer brauchen.” Der Sysadmin wurde im Laufe des Gesprächs immer genervter. Plötzlich fuhr er den Quantenphysiker an: „Was gehen mich die Benutzer an – Hauptsache das System läuft!”
In diesem Moment beschloss ich, niemals Informatik zu studieren, da es offensichtlich eine zu weltfremde Wissenschaft ist. Dafür hat es mich später in die Differentialtopologie verschlagen. Das konnte ich mir leisten, da ich mein Geld ganz bodenständig als Programmiererin in angewandten Forschungsbereichen verdiente.
Eingereicht von Dr. Ute Twisselmann
„Bei dem Aufruf ist mir Ada eingefallen und ich habe mich an die schönen GI-Poster und das beiliegende Foto aus meinem Büro erinnert. Es ist zwar nicht mein erster Berührungspunkt mit Informatik, aber das Bild ist schon etwa zehn Jahre alt”, sagt Phöbe Günzler. (Die Poster werden im kommenden Jahr übrigens neu aufgelegt.)
Mein erster Kontakt mit Informatik war in der Schule im Mathe-Leistungskurs, wo ein engagierter Lehrer seinen selbstgebauten PC mitgebracht hat und wir unsere BASIC-Programme auf Musik-Kassetten gespeichert haben. Das fand ich sehr interessant und es war einer der Gründe, warum ich mich für ein Informatik-Studium entschieden habe. Das war 1980.
Eingereicht von Phöbe Günzler

„Mein beginning zeigt dieses Bild – den hatte sich damals meine Tante gekauft", erzählt Mr. Hmpf auf Mastodon.

„Mein erster Code war auf dieser Hardware“, schreibt Thomas Madeya auf LinkedIn.
Mein erstes komplett selbst geschriebenes Programm (jenseits von Mini-Programmierübungen) war ein Spiel in Turbo Pascal 7.
Hier kann es im Browser gespielt werden (nicht mobil-tauglich) und der Quellcode steht zum Download bereit.
Eingereicht von Julian Fietkau via Mastodon

Spielen wie damals – entwickelt von Julian Fietkau.

„Eine fette Mappe mit Programmlistings und eine Kiste ASCII-codierte Lochkarten von damals steht noch bei mir auf dem Dachboden – und ein Auszug eines Fortran-IV-Listings hängt über meinem Schreibtisch.“ Michael Troitzsch
Als Schüler des Karl-Ziegler-Gymnasiums in Mülheim/Ruhr hatte ich 1976 durch einen innovativen Physik- und Mathelehrer erste Kontakte mit dem, was man damals noch nicht wirklich Informatik nannte. Nachdem wir zu dritt erste Erfahrungen mit einem HP 9820 Tischcomputer gemacht hatten, hat Herr Schubert dafür gesorgt, dass wir am Max-Planck-Institut einen Kurs in Fortran IV besuchen konnten – und dass wir auf der dortigen PDP 10 arbeiten durften. Fast jeden Samstagvormittag saßen wir also im Terminalraum an ASR-33 Teletypes und haben uns mit Fortran IV und coolen Tools wie "pip" auseinandergesetzt (die Druckausgabe konnten wir dann immer Montagnachmittag abholen). Uns war ein Zeitfenster von 10:00 bis 13:00 Uhr genehmigt worden – das wir allzugerne heftig überschritten haben, denn irgendwann hatte uns ein netter Hausmeister einen Schleichweg verraten, mit dem man unbemerkt auch später rauskam. Wir mussten dann noch selbst rauskriegen, dass die Tür klemmte und man nicht nur raus, sondern auch rein kam... Bestimmt hat ein Operator in den Logfiles gesehen, dass wir uns manchmal auch noch Samstag bis zum späten Nachmittag reingeschlichen haben, um weiter zu arbeiten – Ärger haben wir nie bekommen. Und jetzt ist's eh verjährt.
Eine fette Mappe mit Programmlistings und eine Kiste ASCII-codierte Lochkarten von damals steht noch bei mir auf dem Dachboden – und ein Auszug eines Fortran-IV-Listings hängt über meinem Schreibtisch.
Eingereicht von Michael Troitzsch
Während meines Studiums (1973-1977) der Technischen Kybernetik an der TU Dresden entstand der erste bewusste Kontakt zur Informatik. Mathematische Grundlagen der Informatik, der Aufbau digitaler Schaltkreise waren Bestandteile des Studienplans. Wir lernten programmieren mit Algol 68 und FORTRAN. Der Mikroprozessor war Anfang der 1970er in den USA gerade erfunden und so lernten wir noch etwas über die damalige 4-Bit Technik. Ich war froh, dass die Ausführung von Programmen nicht Bestandteil meiner Diplom-Arbeit war, denn nur nachts konnte man damals seine Programme (Lochkartenbasiert) auf einem ausgedienten und daher oft fehlerhaft arbeitenden Robotron-Großrechner laufen lassen. Das war natürlich mühsam.
Nach einer Tätigkeit beim DDR-Patentamt kam ich dann in den 1980er-Jahren an das Institut für Informatik und Rechentechnik (IIR) der AdW in Berlin. Das hatte sich vom Institut für Hochenergiephysik abgespalten, das durch internationale Zusammenarbeit in der Forschung bereits damals mit guter Rechentechnik versorgt war. Am IIR war ich als Patentingenieurin des Instituts und als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Abteilung tätig, die die Entwicklung eines Paketvermittlungsrechners vorantrieb. Ein Zugang zu „westlicher Technik“ existierte nicht. Ich wurde Mitglied der Gesellschaft für Informatik der DDR (gegründet 1985), die dann mit der Wiedervereinigung Deutschlands in die GI der alten Bundesländer aufging.
Mit Freude erinnere ich mich an eine IFIP Konferenz im Jahr 1989, die teilweise damals in Ost-Berlin stattfand (nach West-Berlin konnten wir noch nicht). Richard Weizenbaum nahm daran teil und wir verfolgten gespannt seine Ausführungen. Er warnte schon damals vor möglichen Folgen des KI-Einsatzes.
Ab 1992 war ich dann ca. 25 Jahre als Patentprüferin und Direktorin im Bereich Computer beim Europäischen Patentamt in München tätig. Die Patentierung von Software – ein schon seit Jahrzehnten umstrittenes Thema – hat mich immer interessiert. Das Thema beschäftigt mich auch jetzt noch in meiner Tätigkeit als Patentanwältin.
Nächstes Jahr wäre ich dann 40 Jahre in der GI, die ich immer als wertvolle Organisation zum Austausch fachlicher Themen und zur Weiterbildung empfand. Seit den 2010er-Jahren habe ich mich in der FG Frauen und Informatik engagiert.
Die GI veröffentlichte 2006 einen Band „Informatik in der DDR – eine Bilanz“ https://dl.gi.de/collections/6c8cabb9-ade7-4ace-8897-3aef991ab1a7
Info zur IFIP Konferenz: Information system, work and organization design : proceedings of the IFIP TC9/WG9.1 Working Conference on Information System, Work and Organization Design, Berlin, GDR, 10. - 13. July, 1989 https://katalog.bibliothek.kit.edu/cgi-bin/koha/opac-detail.pl?biblionumber=19033
Eingereicht von Sabine Kruspig

„Leider etwas unscharf: rechts hinten steht der Atari auf einem Tisch", sagt @hophophop – rockt auf jeden Fall!
Mein erster Berührungspunkt? Der ATARI 520 ST mit externem Floppylaufwerk, nem halben MB RAM, einem S/W Monitor und, yeay MIDI Schnittstelle! Den 1040 STE hatte ich später live mit auf der Bühne als steuerzentrale für die Synthesizer.
schreibt @hophophop@mastodon.social via Mastodon
Ach ja, Basic auf dem C64 mit Peek und Poke. Das waren noch Zeiten. *seufz* Das sind schöne Erinnerungen, darum danke euch fürs Erinnern. So ein EPROM mit 4-fach Betriebssystem oder die mit einer Parallelschnittstelle und Flachbandkabel nachgerüstete 1541 Floppy – das waren noch echte IT-Bastler Zeiten. Und so ganz ohne KI!
schreibt Ortwin Pinke via Mastodon




Schon in jungen Jahren faszinierten mich Rechenmaschinen. Der erste Blick hinter die Kulissen der Computerei war dabei ein Bastelbogen aus der Serie „UHU Kleb+Spiel“. Der Computer war praktisch ein mechanischer Multiplexer mit Symboltabellen zur Zuordnung von Ausgabeergebnissen und Eingabevektoren. Einen baugleichen Bastelbogen habe ich viele Jahre später aus Nostalgie besorgt.
Etwas später durfte ich den VC-20 meines Onkels zum ersten Mal verwenden. Ich hatte mir sofort in den Kopf gesetzt, ein Programm schreiben zu wollen. Mit der Hilfe der beigelegten Handbücher hatte ich vergleichsweise schnell Verzweigungen, Schleifen und Variablen in BASIC verstanden. Aber die Besuche bei meinem Onkel waren nicht häufig und ungestört genug, also wurde der Weihnachtsmann mit einem relativ klaren Wunschzettel bedacht.
Viele Fachbücher aus der Bücherei und Zeitschriften las ich in Folge mit großem Vergnügen. Aber dass ich mal ein Diplom in Informatik bekommen würde, war mir damals trotzdem nicht klar, ich hatte auch viele andere Interessen. Nach nunmehr über 20 Jahren Berufserfahrung als professioneller Softwareentwickler sind es immer noch die Grundlagen, die auf mich einen besonderen Reiz ausüben und ich denke gerne an die Maschinen meiner Jugend zurück, bei denen alles etwas simpler, aber nicht weniger faszinierend war.
Eingereicht von Sven Mertens
Und wie schaut die nächste Generation auf die Informatik? Für die nächste Ausgabe wollen wir Dingsda spielen: Wie würden Kinder eigentlich einen Job in der Informatik beschreiben? Wir freuen uns über knallharte Beschreibungen und viele bunte Zeichnungen von Mama/Papa/Kusine/Onkel und Co. am Schreibtisch – wie immer an redaktion@gi.de!