Ungleich macht gleich

REZENSION Denise Schmitz

Im Mathematikstudium tauchen früher oder später Hürden auf, die jede Person zum Straucheln bringen können. Zwei grundlegend verschiedene ­Studierende treffen in Alina Bronskys Roman „Pi mal Daumen“ aufeinander. Sie ­bezwingen die Hürden gemeinsam – und entwickeln eine tiefe Verbundenheit ­zueinander.

Bereits auf der zweiten Seite von Alina Bronskys Roman „Pi mal Daumen“ fängt die Geschichte alle Lesenden ein, die selbst Mathematikvorlesungen hinter sich gebracht haben. Denn wer von ihnen kennt nicht die Sprüche wie „Warten Sie ein paar Wochen. Dann sind wir wieder unter uns.“

Der 16-jährige Hochbegabte Oscar Maria Wilhelm Graf von Ebersdorff zählt sich allerdings zu den Personen, die sich über solche Sprüche keinen Kopf machen müssen. Eher missbilligend schaut er sich stattdessen im Hörsaal um und fragt sich, wer wie lange durchhalten wird.

Neben Oscar setzt sich Moni Kosinsky, die sich mit ihrer quirligen Art direkt einen Platz im Herzen der Lesenden sichert. Mit ihren 53 Jahren, ihrer Tochter, drei Enkelkindern und zwei Nebenjobs ist Moni eine eher untypische Studentin. Kein Wunder also, dass Oscar ihr nur wenig Zeit im Studium vorhergesagt. Da er allerdings dennoch jemanden braucht, um gemeinsam seine Übungszettel abzugeben, bietet er  ihr eine Zweckfreundschaft an.

Was Oscar nicht einkalkuliert: Zu Moni entwickelt sich eine tiefe Freundschaft und Verbundenheit, die sie beide auf eigene Weise durch das Studium trägt. In Moni steckt nämlich eine echte Durchhaltekünstlerin, die trotz einiger Schwierigkeiten ihr Ziel nicht aus den Augen verliert. Gleichzeitig erreicht Oscar einen Punkt im Studium, den viele kennen: Er zweifelt – und Moni kommt ihm mit viel Herz und Optimismus zu Hilfe.

Mit mathematischen Rätseln bringt Alina Bronsky alle informatikversierten Lesenden zum Schmunzeln und entfaltet auf tiefgründige Weise die Entwicklung zweier äußerst unterschiedlicher Figuren.  

Alina Bronsky
Pi mal Daumen 
Kiepenheuer & Witsch, 2024