Wide open

TEXT Esther Blondel, Paul Reinelt

Ob in der Wirtschaft, in Behörden oder im Privaten – die ­Nutzung von Open Source wächst rasant. Dabei spielt nicht nur der Kostenvorteil eine entscheidende Rolle, sondern auch ­Interoperabilität, die große Auswahl an Open-Source-Software (OSS) und das damit verbundene Sicherheitsversprechen: Offen zugänglicher Code ­ermöglicht es, ­Fehler leichter zu entdecken und zu beheben. Auf den entsprechenden Plattformen steigt die Zahl der Beiträge Jahr für Jahr. Doch wie ist die Community überhaupt entstanden? Welche Länder treiben den Trend besonders voran? Und wie groß ist der wirtschaftliche Beitrag wirklich?

Freiheit im Code:
Die Open-Source-Geschichte

1991

Der 21-jährige Linus Torvalds trug 1991 den Kernel, den zentralen ­Bestandteil des Betriebssystems, zur Entwicklung von GNU/Linux bei, ein sehr leistungsfähiges Betriebssystem für eine Vielzahl von Plattformen und das Paradebeispiel für ein erfolgreiches Open-Source-Projekt – im Einsatz etwa auf den Servern des Deutschen Bundestags.

1997

Das Label Open Source wurde in Strategie-Sessions mit ­mehreren Personen aus der damaligen Free- und Open-Source-Szene Ende 1997 und ­Anfang 1998 entwickelt.

1998

Christine Peterson erfand den ­Begriff im Februar 1998.

1998 wird die Open Source ­Initiative (OSI) von Bruce Perens und Eric S. ­Raymond ­gegründet, um die Definition von Open Source zu ­standardisieren und Softwareprodukte unter diesem Label zu fördern.

Einstellungen von Privatwirtschaft und Behörden
(Bitkom Research, 2023)

35 %

der Unternehmen sehen die ­Kosteneinsparung als wichtigstes Argument für Open Source.

 

18 %

der Behörden halten geringere Kosten für den größten Vorteil. Zudem sehen Behörden die große Auswahl an OSS-Komponenten (11 %), den Zugriff auf den ­Quellcode (11 %) und die Unterstützung offener Standards (10 %) als Vorteile.

Wirtschaftliches Potenzial
(Europäische Kommission, 2021)

95 Mrd. Euro

Zwischen 65 und 95 Milliarden Euro trägt Open Source zur Wirtschaftskraft der EU bei.
 

15 Mrd. Euro

pro Jahr: So hoch wird der wirtschaftliche Beitrag von Open Source für Deutschland geschätzt.
 

30 Mio. Commits

wurden bis 2018 veröffentlicht – das entsprach damals einer Personalinvestition von fast einer Milliarde Euro.
 

Digitale Souveränität und Open Source
(Digital Sovereignty Index, 2025)

64,5

Finnland erreicht auf dem Index mit 64,5 von 100 Punkten den ­ersten Platz und setzt stark auf
eigene Open-Source-Projekte.

53,8

Deutschland folgt auf Platz zwei mit 53,8 Punkten, vor ­allem durch unab­hängige Cloud- und Kollaborationstools wie Nextcloud oder LibreOffice.

16,3

Der EU-Durchschnitt liegt deutlich niedriger bei 16,3 Punkten, was die großen Unterschiede innerhalb ­Europas zeigt.

7,01 & 6,49

Am unteren Ende: Italien (6,49) und Spanien (7,01) – Länder, die digital gut vernetzt sind, aber beim Einsatz souveräner Open-Source-Lösungen stark hinterherhinken.