Mehr als Nostalgie

REZENSION Nadine Winter

Verbotene Streamingplattformen, ­Investigativ-Journalismus, Einblicke in Ermittlungen und Fragen zu Moral und Urheberrecht: Ein neuer ARD-Podcast hat einiges zu bieten – nicht nur für Fans der Internet-Nostalgie.

Unscharfe Bilder, abgefilmte Filme, viele Pop-up-Fenster mit Werbung – wir alle kennen wahrscheinlich noch diese Zeiten des Streamings. Der ARD-Podcast „kino.to – Die verbotene Streamingrevolution“ weckt viel Nostalgie in der Internet-Community: In fünf Folgen spricht die Investigativjournalistin Maxie Römhild über die Geschichte der kostenlosen Streamingplattform kino.to. Dabei kommt sie mit Vertreter*innen der Filmindustrie, den Ermittler*innen der Kripo, sogar der Generalstaatsanwaltschaft und nicht zuletzt den Machern von kino.to ins Gespräch.

 

Nicht neu ist, dass die Streamingplattform illegal war, die Website irgendwann vom Netz genommen wurde, die Betreiber im Gefängnis landeten und damit eine große Debatte um das Urheberrecht im Internet entfachte. Besonders an diesem Podcast ist jedoch die Geschichte hinter der Plattform: Maxie Römhild erzählt von einem kleinen Entwickler-Team aus Leipzig, das hinter kino.to steckt, und wie Dirk, der Betreiber der Plattform, auf einmal zum Millionär wurde. Außerdem zeigt sie mit ihrer Recherche, wie verzweifelt die Justiz zum Teil war. Polizei und Ermittlungsbehörden suchten zunächst scheinbar hoffnungslos nach Rechtsgrundlagen, denn das Streaming galt als Grauzone, das Betreiben solcher Plattformen jedoch nicht. Damit gibt Römhild auch beeindruckende Einblicke in die Recherchewege des Investigativjournalismus.

Die Plattform bot damals das, was alle suchten: den freien Zugang zu Kultur. Das Internet galt größtenteils noch als freier Ort. Gleichzeitig war die Herstellung der Filme nicht kostenlos. Filmemacherinnen, Schauspieler und Produzentinnen sorgten sich um ihre Jobs. Kostenpflichtige Plattformen wie Netflix und Co. waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Deutschland angekommen, der Wunsch nach kostenlosem Streaming jedoch schon. Und genau damit begannen Debatten um Urheberrecht, aber auch Fragen, wer noch Täter war. Auch die User? Wer glaubt, dass diese Debatten Teil der Vergangenheit sind, liegt falsch. In Zeiten von generativer KI und ChatGPT werden Debatten rund um Urheberrecht und Eigentum wieder neu aufgerollt. Der Podcast zeigt eindrucksvoll, was passieren kann, wenn technologische Entwicklungen schneller sind als regulatorische. Und das ist aktueller als je zuvor.

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