Einmal Biber,
immer Biber

REDAKTION Katja Sauerborn und Susanne Falkenberg-Thut

Schon 20 Jahre lang knobeln ­Schüler*innen an den Aufgaben des Informatik-Biber. Viele von ihnen haben durch den Wettbewerb eine Begeisterung für die Informatik entwickelt, die auch über die Schule hinaus geblieben ist.

„Der Biber war ein toller Einstieg in die Wunder der Informatik und hat mich richtig auf den Geschmack gebracht!“, sagt Softwareentwickler Simon Knott. „Was ein Glück, zehn Jahre später habe ich immer noch große Freude daran und könnte nicht glücklicher sein, als Programmierer jeden Tag Rätsel zu lösen – jetzt sogar beruflich.“ Geschichten wie seine finden sich viele unter den ehemaligen Teilnehmenden des Wettbewerbs. So auch bei Anja Matena, die bis heute noch einen Schlüsselanhänger und eine Powerbank mit Biber-Motiv nutzt: „Was ich am Informatik-Biber immer mochte, war, dass man nicht besser sein musste als alle anderen. Dadurch ging es viel mehr darum, sein eigenes Bestes zu geben, als sich mit den anderen zu vergleichen.“

Wie erfolgreich sich das Konzept in den vergangenen 20 Jahren entwickelt hat, zeigt ein Blick in die Zahlen: Mehr als 5,5 Millionen Schüler*innen haben sich bereits an dem Wettbewerb beteiligt. „Unsere Schülerinnen und Schüler haben auch dieses Jahr wieder gerne mitgemacht – und gar nicht gemerkt, dass das ja knallharte Informatik war“, sagt Sabine Schatz von der Staatlichen Realschule Röthenbach. Das ist zentral beim Biber: Jede Aufgabe hat einen klaren Informatikbezug. So werden grundlegende Fachthemen wie die Reihenfolge von Programmieranweisungen oder Stack und auch anspruchsvolle Inhalte, etwa Algorithmen auf Graphen, NP-Vollständigkeit oder die Turingmaschine, anschaulich vermittelt.

 

Durch die Gespräche mit Lehrkräften und ehemaligen Teilnehmenden zieht sich diese Beobachtung: Für viele Kinder und Jugendliche sind die Aufgaben des Wettbewerbs ein neuer Zugang zum Thema Informatik, abseits der gängigen Vorurteile, und erzählt anhand lebhafter Geschichten. „Zu mir hat ein Schüler mal gesagt: Das war ja gar nicht wie ein Wettbewerb. Wir haben einfach am iPad geknobelt“, erzählt Janina Petras, die den Biber sogar aus beiden Perspektiven kennt: Sie war einst selbst Teilnehmerin und ermutigt heute als Informatiklehrerin ihre Schüler*innen, sich den Aufgaben zu stellen. „Diese niedrige Einstiegshürde nimmt Kindern die Angst“, sagt Petras.

Genau das spielt auch eine Rolle bei Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen – wie etwa an der Michael-Ende-Schule, an der unter anderem Kinder mit Sprachstörungen oder Autismus unterrichtet werden. 

„Eine typische Schwierigkeit unserer Schüler­schaft ist, dass sie das, was in ihrem Kopf passiert – Geschichten, Emotionen, Gedanken – nur schwer nach außen ­bringen können, sodass die Umwelt etwas damit anfangen kann“, erklärt Fabian Braun, der als Elternteil an der Schule unterstützt. „Beim Biber gibt es zum Beispiel ein Puzzle­feld mit einer klaren Regel darüber, und wenn ich die Teile richtig verschiebe, zeige ich damit, dass ich die Regel verstanden habe – ohne sie extra erklären zu müssen. Das gibt vielen ein Erfolgserlebnis.“

Das niedrigschwellige Konzept zeigt deutschlandweit Wirkung. „Aus einer Initiative ist etwas geworden, das fest im Schulalltag angekommen ist“, so Nils van den Boom, der den Wettbewerb schon seit der ersten Stunde als Lehrer begleitet hat. Heute organisiert das Team der Bundesweiten Informatikwettbewerbe (BWINF), deren Wurzeln bis zum 1980 gegründeten Bundeswettbewerb Informatik zurückreichen, neben dem Biber weitere Wettbewerbe und Angebote, um Kinder und Jugendliche für Informatik zu begeistern.

Der Informatik-Biber ist Deutschlands größter ­Schülerwettbewerb im Bereich Informatik. Das Online-Quiz mit spannenden Knobel­aufgaben fördert das informatische ­Denken und ist kostenfrei. Er ist einer der ­Bundesweiten Informatik­wettbewerbe (BWINF). bwinf.de 

„In der Informatik steckt viel mehr, als viele denken“

Greta Schlüter hat eine lange Geschichte mit dem Informatik-Biber. Sie hat nicht nur selbst mitgemacht, sondern auch ­jahrelang Grafiken für Biber­aufgaben erstellt. Heute folgt sie dem Beispiel ihrer Mutter – und ist selbst Teil des ­deutschen Aufgabenteams.

Sie haben den Biber selbst schon als Schülerin mitgemacht?

Genau, das war ungefähr 2014, ich war damals in der 10. oder 11. Klasse. Den Biber kannte ich aber schon lange vorher – meine Mutter macht seit fast 20 Jahren Biberaufgaben, also fast von Anfang an. Insofern hatte ich schon ein Bild vom Biber, bevor ich selbst mitgemacht habe.

 

Wie war das, als Kind, mitzubekommen, wie Biberaufgaben entwickelt werden?

Mit 12 oder 13 habe ich angefangen, Grafiken für die Aufgaben zu malen, an denen meine Mutter gearbeitet hat – in Paint, ganz klassisch. Eine ihrer frühen Aufgaben, für die ich Bilder gemalt habe, war ‚Gretas Schatzkarte‘ – ich glaube, sie ist sogar nach mir benannt. Das habe ich viele Jahre lang gemacht, auch noch während meines Studiums.

 

Wie kam es dazu, dass Sie selbst im Aufgabenteam des Informatik-Biber aktiv wurden?

Meine Mutter wusste natürlich, dass ich Interesse daran habe. Irgendwann meinte sie, das Team könne gut jungen Nachwuchs gebrauchen, und fragte, ob ich nicht Lust hätte, tiefer einzusteigen, selbst Aufgabenvorschläge zu machen und zu den ­Workshops mitzukommen.

Was macht für Sie eine wirklich ­gelungene Biberaufgabe aus?

Dass dahinter echte Informatik und ein cooles Konzept stecken, das Ganze aber so reduziert ist, dass man in wenigen Worten erklären kann, worum es geht. Man soll nicht lange brauchen, um zu erfassen, was die Aufgabe verlangt – und dann Spaß daran haben, sie zu lösen.

 

Gibt es eine Aufgabe, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Von meinen eigenen Aufgaben mag ich ‚Sunny Days‘ sehr gern, gerade weil sie so simpel ist. Es ist eine Logikaufgabe und für mich ist Aussagenlogik die Grundlage von ganz vielen Dingen in der Informatik. Es geht um Biber, die schwimmen gehen. Die Grafikerin hat dazu ein sehr schönes Bild gemalt. Das trägt auch dazu bei, dass sich die Aufgabe einfach nett anfühlt.

 

Welche Botschaft möchten Sie ­Schüler*innen mit auf den Weg geben?

Ich glaube, viele scheuen vor der Informatik zurück, weil sie ein falsches Bild davon haben – sie denken, ‚ich bin ja nicht computerbegeistert‘, und schieben das Fach deshalb weg. Dabei steckt in der Informatik so viel mehr und man muss sich nicht für die Themen begeistern, die am bekanntesten sind, um etwas für sich zu finden. Ich bin selbst eine wenig computerbegeisterte Person und komme trotzdem sehr gut in der Informatik unter. Wer gerne Rätsel löst, gerade Logik-Rätsel, sollte auf jeden Fall mal einen Blick riskieren, um herauszufinden, ob die Informatik nicht auch etwas für einen ist.