Wie S begann
„Als ich begann, Schrift in moderne digitale Umgebungen zu übertragen, stellte ich fest, dass sich die meisten der 25 Buchstaben des Alphabets vergleichsweise einfach konstruieren lassen. Beim Buchstaben S ist das anders.“ So erklärte Donald E. Knuth, wie ihn ausgerechnet dieser eine Buchstabe zu einer grundsätzlichen typografischen Frage führte.
Denn was zunächst wie eine einfache Form erscheint, entzieht sich bei genauerem Hinsehen einer sauberen Konstruktion. Frühe geometrische Methoden des Buchstabenentwurfs versuchten, das S mit Kreisbögen und Geraden zu bauen – als Annäherung an die Form, aber mit sichtbaren Brüchen und nur bedingt überzeugender Harmonie. Knuth setzte dagegen auf die Konstruktion mit Ellipsen und mathematisch formulierten Bedingungen, um die Form nicht nur nachzubilden, sondern kontrolliert und konsistent zu definieren.
Gerade darin liegt der Unterschied zu vektorbasierten Schriftmodellen wie PostScript, in denen die Form als Pfad oder Kontur beschrieben wird. Knuth dachte anders: Nicht nur die sichtbare Umrisslinie sollte festgelegt werden, sondern die innere Logik der Form – also die Beziehungen zwischen Krümmung, Spannung und Übergängen. Er entwickelte METAFONT als Sprache für Schriftformen und TeX für den Satz von ganzen Texten. Beide Systeme folgen derselben Idee: Gestaltung nicht als starre Zeichnung zu begreifen, sondern als präzise beschreibbares Verfahren. Die Schrift wird damit nicht einfach digitalisiert, sondern methodisch neu gedacht.
Knuths Arbeit prägte das digitale akademische Publizieren immens. Auf seinem Satzsystem TeX baute der Informatiker Leslie Lamport später LaTeX auf, das bis heute die wissenschaftliche Textproduktion vereinfacht. Damit hatte Donald E. Knuth einen Einfluss, der sich durchaus mit dem des Bauhaus auf das Grafikdesign vergleichen lässt. Nur logisch, dass er selbst eines der neuen Poster prägt, mit denen die GI einflussreiche Persönlichkeiten aus der Informatik vorstellt.
