Was kostet KI?
Die Geschichte der Fachgruppe begann Ende der 1980er-Jahre mit einer sehr konkreten Frage der Mainframe-Ära: Wer nutzt zentrale Rechenleistung, wie werden ihre Kosten verteilt und welchen Beitrag leistet sie? Heute heißen die Steuerungsobjekte Cloud-Services, digitale Plattformen oder KI-Modelle. Der Kern ist geblieben: IT-Leistungen müssen transparent, bewertbar und steuerbar werden.
Wer IT-Controlling auf das Zählen von Kosten reduziert, verwechselt Kennzahl mit Steuerung. IT-Controlling gestaltet und unterstützt den Managementprozess der betrieblichen Informationsverarbeitung. Es versetzt Entscheidungsträger*innen in die Lage, IT-Leistungen hinsichtlich Kosten, Nutzen, Qualität und Risiko zu planen, zu bewerten und zu steuern. Zum Kernrepertoire gehören deshalb Kosten- und Leistungsverrechnung, Wirtschaftlichkeit und Wertbeitrag, Kennzahlen und Berichtswesen, Projekt- und Portfoliosteuerung, IT-Strategie und Alignment sowie Governance, Compliance und Risiko.
Eine Befragung der Fachgruppenmitglieder von 2025 hat dieses Kernrepertoire bestätigt und zeigt, welche Aufgaben im IT-Controlling als besonders wichtig eingeschätzt werden: IT-Budgetplanung und Projektportfoliomanagement führen die Rangfolge an, gefolgt von der Planung der IT-Strategie und IT-Kennzahlen.
Wie sich IT-Controlling inhaltlich entwickelte, zeigt eine Analyse des Fachgruppenarchivs (siehe Grafik) anhand seiner Publikationen, Begriffe und zeitlichen Muster. Während Anfang der 1990er-Jahre vor allem Kosten und Leistungsverrechnung die Fachbeiträge prägten, kamen später Themen wie Governance, Nachhaltigkeit und schließlich Digitalisierung, Agilität und KI hinzu. Die klassischen Fragen nach Kosten und Wirtschaftlichkeit blieben dabei bestehen.

Themenentwicklung der Fachbeiträge 1989–2020: basierend auf einer Analyse von 68 vollständig dokumentierten Fachgruppen-
treffen mit 137 Volltexten von insgesamt 199 Beiträgen
Kosten zu zählen, bleibt notwendig. Der Wertbeitrag des IT-Controllings liegt jedoch darin, bessere Entscheidungen möglich zu machen.
Auch der Name des Feldes wandelte sich: Auf Datenverarbeitungs-, Informationssystems- oder Informationsverarbeitungs-Controlling folgte 2003 die formelle Umbenennung der Fachgruppe in IT-Controlling. Aus der Steuerung von Daten- und Informationsverarbeitung entwickelte sich ein breiteres Verständnis von IT als Management- und Governance-Gegenstand. Zugleich zeigt die Entwicklung, dass die Abgrenzung des IT-Controllings gegenüber angrenzenden Feldern wie Informationsmanagement und IT-Strategie nicht statisch ist.
Die Fachgruppe griff Green IT, also die umwelt- und ressourcenschonende Gestaltung und Nutzung von IT, bereits 2008/09 auf. Eine damalige Befragung zeigte jedoch eine deutliche Steuerungslücke: In keinem befragten Unternehmen lag die Federführung beim Controlling oder IT-Controlling; viele Unternehmen kannten nicht einmal ihre IT-Energiekosten.
Mit dem Wandel von On-Premises-Infrastrukturen zu Cloud-Plattformen, verstärkt durch den Big-Data-Boom, hat sich auch die Steuerungsaufgabe verändert. Physische Ressourcen werden stärker abstrahiert, ihr Energie-, Hardware- und Wasserbedarf verschwindet jedoch nicht. FinOps als Steuerung von Cloud-Kosten und GreenOps als Steuerung der Umweltwirkungen des IT-Betriebs greifen deshalb unmittelbar ineinander: Wer Infrastruktur-Ressourcen effizienter nutzt, kann Kosten und Umweltbelastungen zugleich senken. Abschalten, bedarfsgerechte Dimensionierung, Autoscaling, passende Speicherklassen, bewusstes Datenlöschen und effiziente Architekturen werden damit zugleich zu Maßnahmen der Kosten- und Nachhaltigkeitssteuerung. Nachhaltigkeit wird so zu einem Handlungsfeld des IT-Controllings.
Ähnliches gilt für digitale Souveränität und organisationale Resilienz. Anbieterabhängigkeiten, Konzentrationsrisiken, fehlende Kompetenzen sowie Migrations- und Ausstiegskosten gehören in Architektur-, Beschaffungs- und Portfoliobewertungen. IT-Controlling übersetzt diese Faktoren in Szenarien und Entscheidungsalternativen. Digitale Souveränität bedeutet dabei nicht Autarkie, sondern bewusst gestaltete Handlungsfähigkeit.
Beim Controlling von KI kehrt die Wertbeitragsfrage zugespitzt zurück. „Tokenmaxxing“ bezeichnet den Fehlanreiz, hohen KI-Verbrauch oder hohe Nutzungsquoten bereits als Erfolg zu werten. Tokens als die kleinsten vom Modell verarbeiteten Texteinheiten schaffen eine präzise Verbrauchs- und Kostenbasis, beantworten aber noch keine Investitionsfrage. Ein günstiges Modell kann durch Fehler, Nacharbeit und Prüfung teuer werden; ein leistungsfähigeres Modell kann sich bei einer kritischen Aufgabe rechnen. Relevant sind Kosten, Qualität, Risiko und Wirkung je akzeptiertes Ergebnis.
Beim Controlling mit KI unterstützt dieselbe Technologie Forecasts, Anomalieerkennung und die entscheidungsorientierte Aufbereitung von Informationen. Sie automatisiert Teile der Analyse, nicht die Verantwortung für Ziele, Kriterien und Abwägungen. KI wird damit zugleich Steuerungsobjekt und Instrument der Steuerung. Für das IT-Controlling verschiebt sich damit der Schwerpunkt stärker auf menschliche Priorisierung, Bewertung und verantwortliche Abwägung.
Das Leitbild der Fachgruppe verstand IT-Controller*innen bereits 2009 als Teil des Managementprozesses sowie als Dienstleistende und Moderierende an Schnittstellen. Vor seiner Aktualisierung steht nun die Zukunftsbild-Diskussion: Welche Entscheidungen soll IT-Controlling künftig verbessern? Wie lassen sich Kosten, Wert, Risiko, Compliance, Qualität, Nachhaltigkeit und Resilienz gemeinsam betrachten?
Nach einer organisatorischen Durststrecke ohne Sprecher*in im Jahr 2025 hat die Fachgruppe ihre Arbeit in den vergangenen Monaten neu aufgenommen. Erste Treffen zu nachhaltiger IT mit externem Fachimpuls markieren den Neustart. Zugleich verändert sich das Arbeitsformat: Regelmäßige Online-Treffen ermöglichen einen offenen Austausch unabhängig von Ort und Reisebudget.
Lust mitzumachen? Interessierte aus Praxis, Wissenschaft, Lehre und Studium sind eingeladen, Praxisfälle, Forschungsergebnisse oder gerne auch kontroverse Positionen einzubringen.
Aktuelle Termine: fg-wi-itc.gi.de